Wissensarbeit*

Die produktive Wissensarbeit ist eine der Hauptaufgaben des Managements. Sie folgt anderen Regeln als manuelle Arbeit.

* unsere Definition und Verwendung des Begriffs im Kontext der agilen Transformation ◼︎

Mit dem Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft erhielt eine Kategorie von Arbeitskräften erheblichen Auftrieb, die von Peter Drucker seit den Sechzigerjahren als «Knowledge Workers» oder Wissensarbeiter:innen1Im Original durchgängig in der männlichen Form, allerdings nicht ohne der Emanzipation der Geschlechter durch Wissensarbeit einen ganzen Abschnitt zu widmen: Knowledge-Work is «unisex», because it can be done equally well by both sexes. bezeichnet wurden. Sie zeichnen sich durch ihr Wissen als wichtigstes Produktionsmittel aus. Angesichts der umfassenden schulischen und beruflichen Ausbildung, die weite Teile der Bevölkerung geniessen, sowie der Auslagerung oder Automatisierung repetitiver Arbeit, kann in unserem Kontext in den meisten Arbeitssituationen von Wissensarbeit ausgegangen werden.

Typologie nach Drucker

In der Landwirtschaft stellt der Boden den limitierenden Faktor dar, in der Industrie der Zugang zu Material und Maschinen. Wissensarbeiter:innen tragen ihr wichtigstes Produktionsmittel «zwischen den Ohren». Kollektiv kontrollieren sie also die Infrastruktur der Leistungserbringung.

Die Aufgabe des Managements im 21. Jahrhundert besteht darin, die Wissensarbeit produktiv zu machen.

Peter F. Drucker

Das bedeutet auch, dass Wissensarbeiter:innen sich ihrem Fachgebiet stärker verbunden fühlen, als einer Arbeitgeberin. Sie suchen Respekt für ihr Thema und die Möglichkeit, sich darin weiterzuentwickeln. Aus Sicht eines Unternehmens verhalten sie sich ähnlich wie Freiwillige in einem Verein, und so wollen sie auch behandelt werden. Denn einerseits stehen ihnen grundsätzlich immer andere Türen offen – zur Konkurrenz oder auch in andere Industrien. Andererseits ergibt es keinen Sinn, bestens ausgebildeten Spezialist:innen Vorgaben über ihre Arbeit zu machen.

Folglich seien Wissensarbeiter:innen aller Stufen auch nicht Untergebene, sondern Partner:innen im gemeinsamen Vorhaben. Das alles habe zur Folge, dass Unternehmen sich für ihre Mitarbeiter:innen attraktiv machen müssten.

Wissen, Können, Sein

Drucker bezeichnete die Wissensarbeiter:innen und ihre Produktivität in einem etwas mechanistischen Blickwinkel auch als «das grösste Asset einer Firma». Doch Wissen alleine bewirkt noch keine Produktivität und bestimmt keinen Fortschritt auf einen Zweck.

Während eine überwiegende Mehrheit der Mitarbeitenden als Wissensarbeiter:innen wesentlich ihr spezialisiertes Wissen in die Arbeit einbringen, sind ihre Tätigkeiten doch unterschiedlich und reichen von akribischer Regel-Umsetzung bis zur kreativen Gestaltung neuer Kontexte. Entsprechend bieten ihre Arbeitsumgebungen weit unterschiedliche Gelegenheiten, ihre menschlichen Potenziale einzubringen und zu entfalten. Die Automatisierung und Digitalisierung werden den Trend zum Vielseitigen, Gestalterischen unterstützen.

Produktivität

Peter Drucker rief das Jahrhundert der Wissensarbeit aus. Doch erfolgreiche Wissensarbeit lässt sich nicht direkt in Zahlen bemessen, und sie lässt sich nicht individuell beurteilen. Die Steuerungs- und Anreizsysteme des herkömmlichen Managements und der Versuch, Wissensarbeit durch Vorschriften und Kontrollen produktiv zu machen, scheiterten. Und sie scheitern weiterhin, denn sie bleiben weit verbreitet.

Gelingende Führung von Wissensarbeit ist ein Prozess, der die Begabungen, Interessen und Möglichkeiten, das Wissen, die Erfahrung und die Beobachtungen der Mitglieder am Unternehmenszweck orientiert und dadurch die Erreichung gemeinsamer Ziele ermöglicht.

Fussnoten

  • 1
    Im Original durchgängig in der männlichen Form, allerdings nicht ohne der Emanzipation der Geschlechter durch Wissensarbeit einen ganzen Abschnitt zu widmen: Knowledge-Work is «unisex», because it can be done equally well by both sexes.
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