Ende der Fahnenstange

Das Ende der Fahnenstange

Als Frederick Taylor zu Ende des 19. Jahrhunderts das Management zu einer wissenschaftlichen Disziplin machte, waren seine Erkenntnisse bahnbrechend für die aufkommende industrielle Fertigung. Seine Methode war ein Aufruf dazu, den einen, besten Weg zur Erledigung eines Arbeitsschrittes zu identifizieren, beschreiben und danach in vielfacher Wiederholung auszuführen. Ideal, um durch ungelernte Arbeitskräfte grosse Serien des immer gleiche Automodells zusammenbauen zu lassen.

Grosse Unternehmungen und Verwaltungen stützten sich dabei auf eine wachsende Schar von Managern, deren Aufgabe darin bestand, die eigentliche Arbeit zu orchestrieren. Ab den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts stellte ein James McKinsey den Werkzeugkasten dafür zur Verfügung, der bis heute diese Tätigkeit bestimmt. Ideal, um die konforme Durchführung grosser und komplizierter Vorhaben effizient zu steuern.

„Sie können Ihr Auto in jeder Farbe haben, die Ihnen gefällt, solange dies Schwarz ist.

Henry Ford

Am anderen Ende der Lieferkette entstand nach und nach eine Erwerbsbevölkerung bestens ausgebildeter Fachleute. Diese waren auf detaillierte Instruktionen Vorgesetzter nicht nur nicht angewiesen, sondern stellten im Gegenteil durch ihre Expertise und Erfahrung die sachgerechte Erledigung der Arbeit viel eher sicher, als eine Anleitung das könnte.

Nach und nach arbeitete man sich seither durch die Pyramide menschlicher Bedürfnisse. Heute bezeichnen wir als Generation Y die um die Jahrtausendwende geborenen jungen Leute, denen nachgesagt wird, in der Arbeit vor allem Selbstverwirklichung zu suchen, der sie auch gerne ein grossartiges Salär oder andere extrinsische Anreize der Konsumgesellschaft opfern würden. Dazu passt zumindest die Beobachtung die das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup seit Jahren in der ganzen Welt macht: Nur ein kleiner Teil der Belegschaften sind engagiert bei der Arbeit.

„It doesn’t make sense to hire smart people and then tell them what to do. We hire smart people so they can tell us what to do.“

Steve Jobs

Die Trennung von Denken und Ausführung ergibt im Kontext hochqualifizierter Wissensarbeit keinen Sinn mehr. Taylors und McKinseys Grundsätzen geführten Unternehmen sind auf diese Veränderungen schlecht vorbereitet, auf Kund:innen- wie auf Mitarbeiter:innenseite. Adäquatere Ansätze existieren und bewähren sich, zunehmend auch in grösseren Organisationen. Darunter etwa Sociocracy 3.0, Kanban und Scrum.

Timo Bezjak
Timo Bezjak
Wie entstehen effektive Organisationen, wo Menschen Begeisterung finden und als Teams arbeiten und lernen? Wir segeln in rauen Gewässern. Flinke Organisationen brauchen Bewusstsein über ihren Kontext und Klarheit über ihre Entschdeidungsfindung. Ich unterstütze Zusammenarbeit und Fokus auf die gemeinsamen Ziele. Gute Arbeit!